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04. März 2012

«Aus der Praxis für die Praxis»: Austausch zwischen Forschung und Praxis

Qualitätsindikatoren der Schweizer Akutspitäler 2006

Pilotstudie über die Qualitätsindikatoren in Schweizer Akutspitälern vorgestellt

Medienmitteilung BAG, 16.04.2009

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hat heute an einem Mediengespräch eine Pilotstudie über verschiedene Qualitätsmerkmale in Schweizer Akutspitälern vorgestellt. In der Studie werden die Resultate von insgesamt 29 Spitälern publiziert, darunter befinden sich alle fünf Universitätsspitäler. Die Publikation der Studie soll dazu führen, dass allfällige Verbesserungspotentiale seitens der Spitäler erkannt und angegangen werden.

Mit dem Pilotprojekt wurden zum ersten Mal Qualitätsindikatoren in einer einheitlichen Art und Weise erhoben. Dabei stützt sich die Studie auf das in Deutschland seit Jahren angewandte Konzept der deutschen Privatklinikgruppe HELIOS Kliniken GmbH. Dieses verwendet die Fallzahlen und Sterberaten als Basis. Die Indikatoren beziehen sich auf 30 spezifische Krankheitsgruppen, wie Herzinfarkt, Schlaganfall, Lungenentzündung oder Hüftgelenkersatz. Ein grosses Spektrum der Akutmedizin wird abgedeckt. Die Datenbasis für die Pilotstudie lieferte die Medizinische Statistik des Bundesamtes für Statistik für das Jahr 2006. Für das Projekt wurden während zwei Jahren gegen vier Millionen Fälle ausgewertet. Von 180 untersuchten Akutspitälern konnten schliesslich die Resultate von 29 Spitälern veröffentlicht werden. Die Veröffentlichung erfolgt auf freiwilliger Basis mit dem Einverständnis des jeweiligen Spitals. In Zukunft ist die systematische Bekanntgabe der Resultate aller Akutspitäler vorgesehen.

Weitere wichtige Informationen stellen Fallzahlen dar, bei denen die Häufigkeit von ausgewählten Behandlungen dargestellt wird. Dazu gehören beispielsweise Behandlungen mit Hüft- oder Kniegelenkersatz, aber auch die Versorgung mit Herzschrittmachern oder Eingriffe an der Brust bei Frauen. Aus den Fallzahlen wird ersichtlich, wie viel Erfahrung ein bestimmtes Spital bei der Behandlung einer Krankheit hat.

Die Qualitätsindikatoren sollen künftig jährlich durch das BAG publiziert werden. Gerade im Hinblick auf die bevorstehende leistungsorientierte Finanzierung der Spitäler und die Einführung von Fallpauschalen (DRG - Diagnosis Related Groups) sind Instrumente zur Überwachung der Behandlungsqualität eine wichtige flankierende Massnahme.

Die Qualitätsindikatoren sollen Ausgangspunkt für vertiefte Analysen seitens der Spitäler sein. Sie dienen den Patienten, den zuweisenden Ärzten und den Spitälern selbst als Vergleichsmöglichkeit. Die Angaben ermöglichen spitalinterne Verbesserungen, indem eine erhöhte Sterblichkeit bei bestimmten Erkrankungen als Anlass genommen wird, um die internen Abläufe zu überprüfen und interne Schwachstellen aufzudecken.

Den Bericht "Qualitätsindikatoren der Schweizer Akutspitäler 2006" finden Sie online unter:

» www.bag.admin.ch/kvspi

 

H+ zu den Qualitätsindikatoren des BAG: Gesamtaussagen ja, Ranglisten nein

Medienmitteilung H+, 16.04.2009

Mit der Publikation „Qualitätsindikatoren der Schweizer Akutspitäler 2006“ macht dasBAG einen Vorschlag, wie man Akutspitäler der Schweiz aufgrund von Indikatorenbeschreiben kann. Neben Fallzahlen bilden Mortalitätszahlen den zweiten solchenIndikator. H+ verfügt über ein Faktenblatt, das in verständlicher Sprache die Problematikvon Sterblichkeitszahlen auf den Punkt bringt.

Das Verfahren des BAG beruht auf der Analyse der Ergebnisqualität mittels Mortalität undFallzahlen nach bestimmten Krankheitsgruppen. Das BAG berücksichtigt bei seinen Analysendas Geschlecht und Alter der Patienten, nicht aber Begleiterkrankungen. Ebenso sind die unterschiedlichen Aufträge der Spitäler nicht berücksichtigt. Dies bedeutet, dass zwar Gesamtaussagen wie z.B. Vergleiche zwischen der Schweiz und Deutschland gemacht werden können, wo die Schweizer Spitäler meist besser abschneiden. Zuverlässige Vergleiche der Qualität zwischen den einzelnen Spitälern sind aber nicht möglich.

Die Bezeichnung dieser Zahlen als Qualitätsindikatoren ist deshalb gefährlich. Es kann nicht sein, dass Schweizer Spitäler eine Politik der Lebenserhaltung um jeden Preis verfolgen. Das ist ethisch fragwürdig. In Schweizer Spitälern soll man auch sterben dürfen.

Mortalitätszahlen zeigen Unterschiede zwischen Patienten

Vervollständigt mit Kommentaren der betroffenen Spitäler ergänzen die BAG-Resultate das Leistungsbild der Schweizer Spitäler. Als Indikatoren für Qualitätsranglisten der Spitäler sind die vorliegenden Zahlen aber nicht geeignet. Ein Beispiel:

Das BAG zeigt in seiner Analyse auf, dass Begleiterkrankungen sehr stark mit den Sterberatenzusammenhängen. Ganz typisch zeigt sich dies beim Hüftgelenksersatz, wo hochspezialisierteKliniken eine viel tiefere Sterberate aufweisen als die Universitätsspitäler. Das istnicht erstaunlich. Die spezialisierten Kliniken können zwar ebenfalls alte Patienten operieren,aber nicht solche mit bedeutenden Begleiterkrankungen. Dafür sind sie im Gegensatzzu Universitätsspitälern nicht eingerichtet.

H+ steht für transparente, glaubwürdige und sinnvolle Informationen

H+ publiziert seit 2008 glaubwürdige und sinnvolle Informationen zur Qualität der Spitäler auf der Website www.spitalinformation.ch. Mit dem Label H+ qualité will H+ ab 2011 einen Qualitätsstandard für Spitäler schaffen.

»Stellungnahme H+ zum Download als pdf.

Mehr Infos über Qualitätssicherung bei H+ finden sie auf:

» www.hplus.ch/de/qualitaet_patientensicherheit

»Artikel NZZ, 17.04.2009